Begleitendes Fahren ( BF 17 )

Der Pkw-Führerschein kann bereits mit 17 Jahren erworben werden.

Am 01.10.2006 wurde in Hessen der Modellversuch "Begleitetes Fahren ab 17" gestartet: Jugendliche konnten seither bereits mit sechzehneinhalb Jahren mit der Ausbildung für die Fahrerlaubnisklassen B und BE beginnen und nach bestandener Prüfung mit siebzehn Jahren eine Berechtigung für das Begleitete Fahren erwerben.

Der Modellversuch hat sich in der Praxis bewährt. Die von der Bundesanstalt für Straßenwesen vorgelegten Evaluationsergebnisse belegen eine Verringerung des Unfall- und Deliktrisikos der Teilnehmer in einem zweistelligen Prozentbereich (22% weniger Unfälle und 20% weniger Verkehrsverstöße). Darüber hinaus wurde eine erhebliche Verbesserung der Fahrkompetenz der Teilnehmer nachgewiesen. Wegen der guten Erfahrungen mit dieser Regelung in Hessen und auch in den anderen Bundesländern wurde das Begleitete Fahren mit Wirkung vom 01.01.2011 als Maßnahme zur Senkung des Unfallrisikos junger Fahranfänger bundesweit in Dauerrecht überführt.

Nach dem Erwerb einer solchen Fahrerlaubnis ist das Führen von Kraftfahrzeugen der Klassen B und BE bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres nur in Begleitung hierfür ausdrücklich zugelassener Personen erlaubt.

Die begleitende Person soll dem Fahrerlaubnisinhaber vor Antritt einer Fahrt und während des Führens des Fahrzeugs, soweit die Umstände der jeweiligen Fahrsituation es zulassen, ausschließlich als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, um ihm Sicherheit beim Führen des Kraftfahrzeugs zu vermitteln. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe soll die begleitende Person Rat erteilen oder kurze Hinweise geben.

Ein Einweisungslehrgang in einer Fahrschule ist für Fahranfängerinnen und Fahranfänger sowie deren künftige Begleitpersonen nicht verpflichtend vorgeschrieben, wird aber auf freiwilliger Basis empfohlen.

 

Wenn Jugendliche eine Erlaubnis zum Begleiteten Fahren ab 17 Jahre erwerben wollen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden:

  1. Ausbildung in einer Fahrschule
  2. Stellung eines Antrags zum Begleiteten Fahren ab 17 und gleichzeitig Beantragung einer Fahrerlaubnis
  3. Nennung eines oder mehrerer Begleiter mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters

Personen, die als Begleiter zugelassen werden wollen, müssen ebenfalls drei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Mindestalter 30 Jahre
  2. ununterbrochener Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis der Klasse 3 oder B oder einer entsprechenden EU/EWR-Fahrerlaubnis oder schweizerischen Fahrerlaubnis seit mindestens 5 Jahren maximal 1 Punkte  im Verkehrszentralregister beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg


Für den Ablauf des Verfahrens gibt es Vorgaben:

  • Frühestens 6 Monate vor dem 17. Geburtstag können sich Jugendliche bei der Fahrschule anmelden und die erforderlichen Anträge stellen.
  • Frühestens 3 Monate vor dem 17. Geburtstag darf die theoretische Prüfung abgelegt werden.
  • Frühestens 1 Monat vor dem 17. Geburtstag darf die praktische Prüfung erfolgen.
  • Sind beide Prüfungen erfolgreich bestanden, erhält man mit dem 17. Geburtstag eine spezielle Fahrerlaubnis zum Fahren in Begleitung. Auf der entsprechenden Prüfungsbescheinigung stehen die Namen der Begleiter. Die Fahrberechtigung ist nur in Deutschland gültig. Es beginnt die Probezeit  .
  • Ab Vollendung des 18. Lebensjahres kann der (richtige) Kartenführerschein ausgehändigt werden.

Das Begleitete Fahren ab 17 verpflichtet zur Einhaltung folgender Regeln:

  • Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres darf nur mit eingetragener Begleitung gefahren werden.
  • Prüfungsbescheinigung und Ausweis sind beim Fahren mitzuführen.
  • Die Begleitperson hat ihren Führerschein mitzuführen.
  • Eingetragene Begleiter dürfen den Inhaber einer Prüfungsbescheinigung dann nicht begleiten, wenn sie 0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft oder 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut haben, bzw. unter der Wirkung eines in der Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG) genannten berauschenden Mittels stehen.
  • Der Kraftfahrzeugversicherung muss vor der ersten Fahrt mitgeteilt werden, dass das Fahrzeug für den Modellversuch genutzt wird.


Sanktionen bei Regelverstößen:

Die Erlaubnis zum begleiteten Fahren ist in folgenden Fällen von der Fahrerlaubnisbehörde zu widerrufen:

  • Der Betroffene hat ein Fahrzeug der Klasse B bzw. BE ohne einen in der Prüfungsbescheinigung benannten Begleiter im öffentlichen Verkehrsraum geführt oder
  • der namentlich in der Prüfungsbescheinigung benannte Begleiter hat seinen Führerschein nicht den zur Überwachung des Straßenverkehrs berechtigten Personen auf Verlangen ausgehändigt (dabei ist es unerheblich, ob die eingetragene Begleitperson ihren Führerschein nicht aushändigen will oder kann) oder
  • der namentlich in der Prüfungsbescheinigung benannte Begleiter war während der Wahrnehmung seiner Begleitfunktion mit mehr als 0,5 Promille alkoholisiert oder hat unter der Wirkung eines in der Anlage zu § 24a Straßenverkehrsgesetz (StVG) genannten berauschenden Mittels gestanden.

Ordnungswidrigkeiten:

  • Nichtmitführen der Prüfungsbescheinigung
  • Fahren ohne Begleitperson oder Auflagenverstoß hinsichtlich der Begleitperson
  • Fahren eines Fahrzeugs ohne Begleitperson, mit nicht eingetragener Begleitperson oder z.B. alkoholisierter Begleitperson bei Vorsatz: Verdoppelung des Regelsatzes und Eintrag im Verkehrszentralregister

Ausbildung und Prüfung:

Die Ausbildung erfolgt in der Fahrschule und bei der zuständigen Technischen Prüfstelle muss eine theoretische und praktische Prüfung abgelegt werden.

Eine bestandene theoretische Prüfung bleibt nur ein Jahr gültig; läuft diese Frist ab, dann muss sie wiederholt werden, weil sonst keine Zulassung zur praktischen Prüfung erfogen darf.

Die praktische Prüfung bleibt hingegen zwei Jahre gültig; nach Ablauf dieser Frist darf die Fahrerlaubnis nicht mehr erteilt werden.